Ratgeber
Doula oder Hebamme: Was ist der Unterschied?
9. Oktober 2026
Die Hebamme ist für das Medizinische da, die Doula für dich als Mensch. Warum das keine Entweder-oder-Frage ist und wie beide gut zusammenarbeiten.
„Brauche ich dann überhaupt noch eine Hebamme?“ Das ist eine der häufigsten Fragen, wenn Familien zum ersten Mal von Doulas hören. Und andersherum: „Ich habe doch eine Hebamme, wozu noch eine Doula?“
Die gute Nachricht: Du musst dich nicht entscheiden. Hebamme und Doula machen verschiedene Dinge. Wenn du verstehst, wer wofür da ist, merkst du schnell, ob dir eine Doula zusätzlich guttun würde.
Was eine Hebamme macht
Hebamme ist ein staatlich geregelter Beruf mit einer eigenen Ausbildung. Hebammen übernehmen medizinische Aufgaben in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Dazu gehören je nach Betreuung die Vorsorge, Untersuchungen, die Überwachung des Geburtsverlaufs und die medizinischen Kontrollen im Wochenbett, bei dir und beim Baby.
Die Geburtshilfe ist in Deutschland gesetzlich Ärztinnen, Ärzten und Hebammen vorbehalten. Dazu gehören die Überwachung des Geburtsvorgangs, die Hilfe bei der Geburt und die Überwachung des Wochenbetts[1]. Die Kosten für die Hebamme übernimmt die gesetzliche Krankenkasse[2].
Was eine Doula macht
Eine Doula ist eine nicht-medizinische Begleiterin. Sie kümmert sich um dich als Mensch: um deine Gefühle, deine Fragen, deine Wünsche. Oft lernt ihr euch schon in der Schwangerschaft kennen, und sie bleibt bei der Geburt möglichst die ganze Zeit an deiner Seite, auch wenn im Krankenhaus die Schicht wechselt.
Typische Aufgaben einer Doula
- Zuhören, Sorgen sortieren und Mut machen
- Geburtswünsche gemeinsam formulieren und Gespräche mit Hebamme oder Klinik vorbereiten
- Unter der Geburt da sein: mit Atemimpulsen, Massagen, Positionswechseln, Wärme und Ruhe
- Den Partner oder die Partnerin anleiten und für Pausen entlasten
- Im Wochenbett ein Nachgespräch führen und beim neuen Alltag helfen
Was eine Doula nicht macht
Eine gute Doula kennt ihre Grenzen genau. Sie untersucht dich nicht, stellt keine Diagnosen, hört keine Herztöne ab, gibt keine Medikamente und entscheidet nicht über medizinische Maßnahmen. Diese Entscheidungen triffst du gemeinsam mit Hebamme und Ärzteteam. Die Doula hilft dir nur, sie in Ruhe zu verstehen und deine Fragen zu stellen.
Der Unterschied auf einen Blick
Ausbildung
Hebamme: staatlich geregelte Ausbildung.
Doula: private Weiterbildung, Inhalte und Umfang sind unterschiedlich. Manche Doulas haben ein Zertifikat, etwa als GfG-Doula®[4].
Aufgaben
Hebamme: medizinische Betreuung, Geburtshilfe, Kontrollen im Wochenbett.
Doula: emotionale und praktische Begleitung, ohne medizinische Aufgaben.
Bei der Geburt
Hebamme: überwacht den Verlauf und leitet die Geburt fachlich, oft für mehrere Frauen gleichzeitig und im Schichtdienst.
Doula: bleibt möglichst durchgehend bei dir und kümmert sich nur um dich.
Kosten
Hebamme: zahlt die gesetzliche Krankenkasse.
Doula: private Leistung, eine umfassende Begleitung kostet häufig 800 bis 1.600 Euro. Mehr dazu in Was kostet eine Doula?
Warum beide gut zusammenpassen
Stell dir die Geburt wie ein Team vor. Die Hebamme hat den Blick auf das Medizinische und die Verantwortung dafür. Die Doula hat den Blick auf dich: Wie geht es dir gerade? Was brauchst du? Was wolltest du dir merken?
Studien zeigen, dass kontinuierliche Unterstützung während der Geburt mit einem positiveren Geburtserleben verbunden ist[3]. Genau diese durchgehende Begleitung ist das, was eine Doula mitbringt. Eine Garantie für einen bestimmten Verlauf gibt es nicht, aber viele Familien erzählen, dass sie sich sicherer und weniger allein gefühlt haben.
Wann eine Doula besonders hilfreich sein kann
Viele Familien wünschen sich eine Doula
- beim ersten Kind, wenn vieles neu und ungewiss ist
- nach einer belastenden früheren Geburt
- bei einem geplanten Kaiserschnitt
- wenn Familie und Freunde weit weg wohnen
- wenn du dir eine feste Bezugsperson neben wechselnden Klinikteams wünschst
Häufige Fragen
Ersetzt eine Doula die Hebamme?
Nein. Die Hebamme ist für die medizinische Betreuung zuständig, die Doula begleitet emotional und praktisch. Du brauchst die Hebamme auch dann, wenn du eine Doula hast.
Was ist der Unterschied zwischen Doula und Hebamme?
Die Hebamme hat eine staatlich geregelte Ausbildung und übernimmt medizinische Aufgaben wie Vorsorge, Geburtshilfe und Wochenbettkontrollen. Die Doula ist eine nicht-medizinische Begleiterin, die dich vor, während und nach der Geburt persönlich unterstützt.
Darf eine Doula bei der Geburt dabei sein?
In vielen Fällen ja, aber jede Klinik hat eigene Regeln, etwa zur Zahl der Begleitpersonen oder beim Kaiserschnitt. Kläre das vorher mit der Klinik.
Wer bezahlt die Doula, wer die Hebamme?
Die Hebamme bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Die Doula ist eine private Leistung, die du in der Regel selbst bezahlst.
Quellen
- § 4 Hebammengesetz: Geburtshilfe als vorbehaltene Tätigkeit, Bundesministerium der Justiz
- § 24d SGB V: Ärztliche Betreuung und Hebammenhilfe, Bundesministerium der Justiz
- Continuous support for women during childbirth (Cochrane Review), Cochrane
- Weiterbildung zur GfG-Doula®, GfG Bundesverband